Die KI-Revolution verändert Jobprofile und Arbeitsweisen tiefgreifend. Sie zwingt uns, neue Skills zu erlernen – und stellt zugleich die Tools bereit, um diese Learning Journey effizienter als je zuvor zu gestalten. Hier ein Beispiel aus meiner ganz persönlichen Lernreise.

Ich begleite die Digitale Transformation und KI-Entwicklung seit ihren Anfängen. Diesmal wollte ich aber tiefer einsteigen – in Programmierung, Agententechnologien und KI-gestützte Entwicklung. Also habe ich mich – als Nicht-Programmierer – für den Udemy-Kurs „Coding with AI agents from the CLI, using Anthropic’s Claude Code“ entschieden. Der Kurs verspricht, eine Online-Radiostation mit Claude Code zu entwickeln – produktionsreif!

Zwar bringe ich etwas Programmiererfahrung aus alten Zeiten (C, Visual Basic, HTML) mit, erfülle aber längst nicht die formalen Voraussetzungen. Denn hier geht’s ans Eingemachte: VM-Setups mit Ubuntu, Terminal-Navigation, Pakete installieren, Debugging. – Kurz: Ich war „out of my depth“.

Was in den Kursvideos einfach aussieht („Download, installieren, loslegen“) wird in der Praxis schnell zur Herausforderung: fehlende Pakete, fehlerhafte Automatisierungen, Mac-Inkompatibilitäten. Dazu kommt, dass Claude Code – wie alle LLMs – non-deterministisch ist. Das bedeutet: Die Ergebnisse in den Videos unterscheiden sich teils erheblich von meinen eigenen. Ich brauchte also zwingend einen „Berater“, der mir zu Datenbanksystemen, Architekturen und Debugging-Strategien Orientierung gab.

Und genau hier kommen ChatGPT und Gemini ins Spiel.

Lernbegleiter, Coach und Sparringspartner

Wer schon einmal versucht hat, solche Probleme über Stack Overflow oder Reddit zu lösen, weiß: Das kostet Stunden. Für mich – mit Vollzeitjob – schlicht keine Option. Mit ChatGPT und Gemini hatte ich dagegen jederzeit einen geduldigen, strukturierten Lernbegleiter an meiner Seite. Die Tiefe, Klarheit und Systematik ihrer Antworten hat mich oft staunen lassen. Trotz kleinerer Stolperfallen (dazu gleich mehr) eröffnen diese Tools Lernpfade, die früher schlicht nicht zugänglich waren; insbesondere für Menschen, die fachfremd in ein komplexes Thema eintauchen.

In meinem Fall: Wir haben eine Radiostation-Web-App programmiert, die „lossless“ Audio streamt, Playlists anzeigt und Lautstärkeregelung ermöglicht. Der erste Prototyp war nach zehn Minuten fertig – beeindruckend. Aber: Das Ergebnis war noch roh. Doppelte Play-Buttons, unsaubere Code-Struktur – der perfekte Stoff für eine echte Lernkurve. Genau hier wurde die Zusammenarbeit mit dem Chatbot zum echten Coaching-Erlebnis: nicht nur Anweisungen befolgen, sondern verstehen, verbessern, hinterfragen.

Menschliche Kreativität bleibt unersetzlich

Trotz der beeindruckenden Unterstützung bleibt entscheidend: Der Chatbot denkt nicht für uns. Ohne Mitdenken, ohne „out-of-the-box“-Denken bleibt man schnell in Schleifen stecken.
Ein Beispiel: Der Browser (Firefox) in meiner Virtual Machine spielte keine Musik ab. Ursache laut Chatbot: fehlende Audio-/Video-Codecs. Wir installierten, deinstallierten, reinstallierten – immer wieder. Doch die Idee, schlicht einen anderen Browser zu testen, musste von mir kommen.

Dieser Lösungs-Ansatz hat im Übrigen auch nicht funktioniert (weder mit Chrome, Chromium, noch Brave – aus je unterschiedlichen Gründen). Auch hier kam der nächste Lösungs-Ansatz (der schließlich funktionierte) nicht vom Chatbot, sondern von mir: Nämlich, die Radiostation-Webseite im Mac-Browser abzuspielen und eine Kommunikation zwischen dem Programm in der VM und eben diesem Mac-Browser herzustellen.

Schließlich funktioniert die Radiostation im Mac-Browser – mit Chatbot-Unterstützung, aber dank meiner Idee.

Das zeigt: KI-Coaches sind starke Partner, aber sie ersetzen weder Kreativität noch kritisches Denken. Sie multiplizieren sie.

Mein Fazit

Die Kombination aus KI-Assistent und Lernbereitschaft eröffnet fantastische Möglichkeiten – fachlich wie persönlich. ChatGPT und Gemini sind wahre Katalysatoren für die Weiterentwicklung, solange wir selbst neugierig, kreativ und kritisch bleiben. Und das spiegelt ziemlich genau wider, wie sich unsere Rolle in der digitalen Arbeitswelt entwickelt: Mensch und Maschine im Zusammenspiel.

Übrigens nutze ich Chatbots auch als Sparringspartner für meine Hobbys – etwa Mineralogie und Geologie. Ob Kristallsysteme, chemische Reaktionen oder geologische Prozesse: Mit einem Chatbot als „Professor on Demand“ macht Lernen einfach Spaß.

Author

Sebastian Zang hat eine herausragende Karriere in der IT-Branche aufgebaut und eine Vielzahl von Softwareprojekten mit einem klaren Fokus auf Automatisierung und Unternehmensentwicklung geleitet. In seiner aktuellen Rolle als Vice President Partners & Alliances bei der Beta Systems Software AG nutzt er seine umfassende Expertise, um technologische Innovationen auf globaler Ebene voranzutreiben. Als Absolvent der Universität Passau bringt Sebastian wertvolle internationale Erfahrung mit, die er in verschiedenen Märkten und Branchen gesammelt hat. Neben seiner technischen Kompetenz ist er als Vordenker in Bereichen wie Automatisierung, Künstliche Intelligenz und Unternehmensstrategie anerkannt.