Die drängendste Herausforderung unserer Zeit? – Der Klimawandel.

Kann Digitaltechnologie hier einen Beitrag zur Entschärfung des Problems leisten? –Ja.

Natürlich, der Gesamteffekt der Digitalisierung auf Naturverbrauch und Klima ist maßgeblich abhängig vom Entwicklungspfad – nicht alle Wege führen nach Rom! Die politischen Rahmenbedingungen sind entscheidend dafür, wie letztlich die Öko-Bilanz des Digitalisierungsprozesses ausfällt. Vergleiche auch: Digitalisierung: Chance oder Risiko für eine Grüne Wirtschaft?.

Dennoch gilt: Es gibt eine Vielzahl von Anwendungsbereichen, wo Digitaltechnologie die Transformation zugunsten einer Grünen Wirtschaft voranbringt. Hier stelle ich 7 vielversprechende Start-Ups aus Deutschland vor, die eben dieses Ziel verfolgen. Fokus: Junge Unternehmen (nicht älter als 7 Jahre). Viel Spaß beim Schmökern!

Envelio

Die Energiewende gelingt nur, wenn das Stromnetz intelligenter wird. Millionen von Photovoltaikanlagen, Windenergieanlagen speisen Strom ein. Hierbei gilt: Je mehr Stromproduzenten und Prosumer ins Stromnetz einspeisen, desto komplexer wird die Steuerung eben dieses Netzes. Kurz: Die Balance zwischen Stromlieferanten und Verbrauchern. Die Elektromobilität (Stichwort: Ladesäulen) erhöht diese Komplexität nochmals.

Das Start-Up envelio hat deshalb die Intelligent Grid Platform entwickelt. Mit diesem Software-Assistenzsystem für Netzbetreiber können zukunftsfähige und flexible Netze in einem digitalisierten Prozess effizient geplant und betrieben werden. In 80 Sekunden erklärt:

Gründung in 2017. In Köln. Webseite: envelio.de

Fresh Energy

Nehmen wir an, Sie sind ein kommunaler Dienstleister, der 4 000 Haushalte mit Wasser, Gas und Strom versorgt. Wie partizipieren Sie und Ihre Kunden an der Digitalen Revolution trotz schmalem Investitionsbudget? – Fresh Energy stellt eine White Label App zur Verfügung, die für alle Typen von Smart Metern im Haushalt die optimale Transparenz zum Stromverbrauch und zu Einsparpotentialen liefert.

Gründung in 2017. In Berlin. Webseite: www.getfresh.energy

Planetly

Das noch sehr junge Unternehmen ist inspiriert vom Pionier der modernen Managementlehre, Peter Drucker: „Was man nicht messen kann, kann man nicht lenken.“ Folgerichtig unterstützt das Start-Up Planetly seine Mandanten darin, den CO2-Fußabdruck ihres Unternehmens differenziert zu erfassen – so einfach wie möglich. Benchmarks für spezifische Industrien und Unternehmensgrößen helfen, den Status Quo einzuordnen. Im nächsten Schritt geht’s schließlich darum, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Und wo die Reduktion an Grenzen stößt, bietet Planetly Ausgleichsmaßnahmen an.

Zu den Kunden zählt etwa der Kochboxen-Provider HelloFresh: Planetly hat das Unternehmen bei der Berechnung des CO2-Fußabrucks mit einer TÜV Rheinland Group-zertifizierten Methode unterstützt sowie Ausgleichmaßnahmen zur Kompensation initiiert.

Gründung in 2019. In Berlin. Webseite: www.planetly.org

Vilisto

Wussten Sie, dass wir 90% unserer Lebenszeit in Gebäuden verbringen? Kein Wunder also, dass bei der Temperierung von Gebäuden ein erhebliches Einsparpotential besteht. Dieses Einsparpotential abzuschöpfen, dafür ist Vilisto angetreten. Und zwar mit dem Versprechen, bis zu 32% der Heizkosten zu reduzieren. In Nichtwohngebäuden. Wie geht das? Stichwort: Selbstlernendes Heizkörperthermostat mit integrierter Präsenzerkennung.

Gründung in 2016. In Hamburg. Webseite: www.vilisto.de

Enit Systems

Um Energiemanagement und Ressourcenoptimierung geht es ebenfalls bei Enit Systems. Im Zentrum des Energiemanagements steht der sogenannte ENIT Agent, der Daten erfasst, weiterleitet und auswertet – und dies für so unterschiedliche Ressourcen wie Strom, Wärme, Gas, Dampf oder Wasser. Die Enit-Systeme sind skalierbar und lassen sich für Kleinunternehmen ebenso einsetzen wie für Großkunden. Die Liste der Referenzkunden unterstreicht diese breiten Einsatzmöglichkeiten; zu den Kunden zählen: ABB, Viessmann, Zalando, Covestro, ALBA, Sortimo und mehr.

Gründung in 2014. In Freiburg. Webseite: www.enit-systems.com

HawaDawa

Daten sind das neue „Gold“ im Digitalen Zeitalter. Das Start-Up Hawa Dawa hat sich positioniert als zentrale Datendrehscheibe rund um „Daten zu Luftqualität“. Das Angebot umfasst hierbei die Daten (Konsolidierung aus diversen Datenquellen), Darstellungsformate (z.B. „air quality heatmaps“) sowie intelligente Algorithmen für Simulationen. Dieses „Datengold“ dient als Grundlage für die Entscheidungsfindung rund um Stadtplanung, Verkehrsplanung, Immobilieninvestitionen. Das Start-Up ging aus der Technischen Universität München (TUM) hervor.

Gründung in 2016. In München. Webseite: hawadawa.com

Enyway

Das Start-Up Enyway hat den ersten Online-Marktplatz geschaffen, um lokale / regionale Stromerzeuger mit Stromverbrauchern zusammenzubringen. Betreiber von Windkraftanlagen oder Solarparks haben so die Möglichkeit des direkten Handels mit den Abnehmern. Und Verbraucher entscheiden auf dem Marktplatz, welchen Stromversorger sie haben möchten. Das Start-Up ist ein Spin-Off des größten deutschen Ökostromanbieters LichtBlick.

Ziel: Revolutionierung des Strommarktes, der Beginn des Digitalen Energiezeitalters. Die Hoffnung: Die Nähe zwischen Erzeuger und Verbraucher könnte zu mehr Bürgerengagement in Sachen Energiewende führen. Und: Die Startup-Plattform könnte dabei helfen, ein zentrales Problem der privaten Stromerzeugung zu lösen: Zwischenzeitliche Überkapazitäten lassen sich nur bedingt speichern, auch wenn die dazu nötigen Akkus dem Bundesverband Solarwirtschaft zufolge günstiger und leistungsfähiger werden. Mit enyway können die privaten Erzeuger ihre Überschüsse stattdessen mindestens teilweise monetarisieren.

Gründung in 2017. In Hamburg. Webseite: www.enyway.com

Und sonst noch? – DWR Eco und Ecosia

Bereits den Kinderschuhen des Start-Ups entwachsen ist das Unternehmen www.dwr-eco.com – ein Katalysator des Wandels zu einer Nachhaltigen Wirtschaft. Die beiden Gründer, David Wortmann und Doreen Rietentiet, sind ebenfalls Initiatoren des Podcasts Let’s talk change (hier klicken). Hier kommen die Mover and Maker für eine Grüne Wirtschaft zu Wort: Klaus Töpfer (Umweltminister a.D., Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen a.D.). Professor Volker Quaschning für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Der Manager und Umweltaktivist Heinrich Strößenreuther, auch bezeichnet als Deutschlands erfolgreichster Fahrrad-Aktivist. Und viele weitere Persönlichkeiten.

Haben Sie übrigens schon www.ecosia.org als Standardsuchmaschine eingerichtet? Wenn nicht, dann sollten Sie dies schleunigst tun! Das in Berlin ansässige Unternehmen verwendet seine Gewinne darauf, Bäume zu pflanzen. Seit der Gründung in 2009 wurden bereits mehr als 100 Millionen Bäume gepflanzt. Dass man 100 Mio. Bäume nicht im eigenen Schrebergarten unterkriegt, ist klar. Hier bedarf es einer Organisation, die alle Schritte vom Vertragsmanagement bis zum Erfolgsmonitoring professionell aufzieht. Watch yourself!

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Sebastian Zang
Author

Der Autor ist Manager in der Softwareindustrie mit internationaler Expertise: Prokurist bei einem der großen Beratungshäuser - Verantwortung für den Aufbau eines IT Entwicklungszentrums am Offshore-Standort Bangalore - Director M&A bei einem Softwarehaus in Berlin.