Die Fabrik 4.0 nimmt immer mehr Gestalt an, Deutschland hat hier zweifelsohne eine Vorreiterrolle – nicht zuletzt mit dem etablierten Player Siemens, der noch immer als führend gilt für das „Betriebssystem der Smart Factory“.

Aber auch Jungunternehmen drängen in diesen dynamischen Markt. Schauen wir uns 7 spannende StartUps an, die die Zukunft der Factory 4.0 mitgestalten. Fokus: Gründungen in Deutschland. Fokus: Junge Unternehmen (nicht älter als 7 Jahre). Viel Spaß beim Schmökern!

Scoutbee

Die Produktion in der Fabrik beginnt mit der Zulieferung der Bauteile und Materialien; hier setzt das StartUp Scoutbee an. Es liefert mit einem KI-basierten Ansatz eine effiziente Lieferantensuche und liefert umfangreiche Marktinformationen. Im Podcast Handelsblatt Disrupt kann man einen der Gründer, Gregor Stühler, im Interview erleben (Folge 37, 24.01.2020).

Gründung in 2015. In Würzburg. Webseite: scoutbee.com

AR Experts GmbH

Smart Factory heißt ja nicht, dass die Produktion vollautomatisiert abläuft – ohne Beteiligung von Menschen. Natürlich nicht. Ingenieure, Servicetechniker, Montagetechniker Cobots usw. haben ihren Platz in der Fabrik 4.0. Auf der offiziellen Factory-56-Seite von Daimler heißt es gar: „Das Know-how, die Flexibilität sowie die hohe Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für Mercedes-Benz der Schlüssel zum Erfolg – gerade in Zeiten der Transformation und der Digitalisierung. In der ‚Factory 56‘ fährt Mercedes-Benz deshalb den Automatisierungsgrad zurück.“

Was sich ändern wird: Das Training der Mitarbeiter für den Einsatz in der Factory 4.0, die Bereitstellung von Arbeitsanweisungen. Hierbei spielt Augmented Reality (AR) eine Rolle. Bei WalMart werden Mitarbeiter mit AR trainiert, bei Porsche und BMW werden die Werkstätten mit AR ausgestattet. Das frisch gegründete Unternehmen AR Experts GmbH bietet einen einfachen Weg, AR-basierte Trainingsvideos zu generieren und für den Einsatz bereitzustellen. Der Claim: „Erfassen und verteilen Sie gebrauchsfertige sprachunabhängige Arbeitsabläufe innerhalb von 90 Sekunden.“

Gründung in 2019. In Stuttgart. Webseite: ar-experts.de

Cedalo AG

Der Gründer Kristian Raue ist kein Unbekannter: Er hat bereits das erfolgreiche Unternehmen Jedox AG für Business Intelligence (BI) Solutions aufgebaut, ich konnte ihn als junger KPMG-Berater einmal persönlich in einem Workshop erleben.

Nun hat er mit der Cedalo AG ein weiteres Unternehmen aus der Taufe gehoben. Wer Jedox (mit dem Produkt PALO) kennt, wer mit MS Excel vertraut ist, der hat beim Produkt von Cedalo einen Wiedererkennungseffekt: Denn die sogenannten Streamsheets haben das Look&Feel von Excel, statt algorithmischer Programmierung kann ein Fachanwender hier mit wenigen Klicks eine Verbindung zum Daten-Streaming oder zu gespeicherten Daten herstellen. Es lassen sich Daten (von Sensoren) transformieren, Diagramme erstellen, Warnmeldungen versenden und auch externe Prozesse steuern. Protokolle wie MQTT, AMQP, REST und OPC UA werden berücksichtigt.

Klar ist, das StartUp hat einen klaren Startvorteil: Kristian Raue kann sein neues Angebot unmittelbar bei Tausenden internationalen Kunden platzieren, die bereits PALO nutzen (und die nicht zuletzt mit der Bedienphilosophie vertraut sind).

Gründung in 2017. In Freiburg. Webseite: cedalo.com/

Actyx

Das Actyx Betriebssystem für das Industrial Internet of Things (IIoT) bzw. für die Smart Factory setzt auf die Schaffung eines Peer-to-Peer-Netzwerks: Die Software wird auf alle Edge-Devices aufgespielt. Dieser Ansatz unterscheidet sich von IIoT-Architekturen, die über zentrale Edge-Server (seltener: Cloud-Sever) laufen. Kunden: PERI (vgl. nachfolgendes Testimonial-Video), Sto, klöckner & Co..

Gründung in 2016. In München. Webseite: www.actyx.com

Devicebase

Das Unternehmen Devicebase will zum „Wikipedia“ für IoT werden: Produktübersicht, Nutzererfahrung, Kompatibilität / Inkompatibilitäten und derlei mehr. Smart Home und Smart Factory sind vergleichweise neue Anwendungsfelder, hier suchen (potentielle) Nutzer Orientierung. Zumal die Vision des komplett vernetzten Smart Homes bzw. der komplett vernetzten Fabrikhalle immer wieder praktisch an Inkompatibilitäten scheitert. Zwar haben sich Amazon, Apple und Google Ende 2019 auf einen neuen offenen Standard geeinigt, um die Vernetzung zwischen Geräten im vernetzten Zuhause zu vereinfachen. Aber es wird noch einige Jahre dauern, bis diese Standards tatsächliche den Smart Home Markt erreicht haben: Die Arbeitsgruppe (der u.a. IKEA und andere angehören) will bis Ende 2020 zunächst die Spezifikationen festlegen und eine erste Referenzumsetzung präsentieren.

Gründung in 2015. In München. Webseite: devicebase.net

Erium

Das noch sehr junge StartUp Erium adressiert eine der Kernherausforderungen für die Digitalisierung der Deutschland AG: Es gibt gar nicht genug Data Scientists. Darum bietet Erium eine Analyse-Kit für Fachanwender (aber keine Data Scientists), um mit einem Minimum an Daten (auch: lückenhafte Daten) Produktionsprozesse zu analysieren und – auf Basis der Auswertungen – zu optimieren. Mit dem Produkt von Erium kann man Modelle erstellen, Hypothesen testen und relevante Einflussparameter definieren.

Das Unternehmen arbeitet bereits zusammen mit Unternehmen wie BMW, FESTO; es gibt auf der Webseite auch einen guten Podcast rund um Machine Learning. Gründung in 2019. In München. Webseite: erium.de/

Rhebo

Das Unternehmen Rhebo ist auf Cyber Security bei Industrieanalagen fokussiert, es gehört folglich in den Kontext von Factory 4.0. Das Unternehmen bietet Software für die Überwachung und Anomaliererkennung in Industriellen Netzwerken. Dabei reicht die Analyse des Datenverkehrs sehr tief, hier werden nicht nur außergewöhnliche Kommunikationsmuster identifiziert, sondern die Kommunikation wird auf Ebene der Datenpakete selbst auf Cyber Threat Indikatoren hin analysiert („Deep-Packet-Inspection-Technologie“).

Gründung in 2014. In Leipzig. Webseite: rhebo.com

Spannende StartUps in weiteren Branchen

Sebastian Zang
Author

Der Autor ist Manager in der Softwareindustrie mit internationaler Expertise: Prokurist bei einem der großen Beratungshäuser - Verantwortung für den Aufbau eines IT Entwicklungszentrums am Offshore-Standort Bangalore - Director M&A bei einem Softwarehaus in Berlin.