Klimakatastrophe, wer war’s? – Das ist schnell geklärt: Der Astrophysiker und TV-Aufklärer Prof. Dr. Harald Lesch erklärte etwa bei einem Vortrag im Sommer 2018 an der TU München: „Meine Generation [der Baby Boomer] hat vollständig versagt.“. Für die Generation X wiederum erklärte der Kolumnist James Moore einige Zeit später im Independent: “it was gen X that sat by and let the world crumble”.

Ein scharfsinniges Mea Culpa, aber genau wie nach der Beichte in der Katholischen Kirche gilt: Die Sauerei ist immer noch da … und die Generationen X, Y und Z müssen es ausbaden. Meine Kidz sind Generation Alpha, die werden das Jahr 2100 mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit erleben. Und natürlich frage ich mich als Dad (mit meiner Frau zusammen), wie wir noch positiven Einfluss nehmen können. Die Antwort ist klar:

„Begrenzung der Sauerei“: Der Klimanotstand kommt bzw. ist schon längst da. Vermeiden lässt sich das nicht mehr, aber das Ausmaß lässt sich noch begrenzen. Für den Lebensstil heißt das: ein Leben ohne Auto (geht in Berlin sehr gut, wir sind im 5ten Jahr), verantwortungsvoller Wasserverbrauch, mehr Minimalismus als Konsumismus und ein Dutzend weiterer allbekannter Prinzipien für ein halbwegs nachhaltiges Lebensmodell. Den Blog schreibe ich übrigens im Zug von Berlin nach Augsburg.

„Vorbereitung auf das Unvermeidbare“: Für Städte heißt das mehr Begrünung zur Kühlung des Stadtklimas, Küstenregionen erhöhen die Dämme, Landwirte investieren in Bewässerungstechnologie. Und was folgt daraus für die Erziehung? – Für mich vor allem zwei Dinge. Und beides leitet sich daraus ab, dass Ressourcen und Energie auf absehbare Zeit knapp sein werden und deren Verbrauch angesichts eines zunehmend dramatischeren Klimawandels immer teurer werden wird. Und das gilt (realistisch gesehen) natürlich trotz Elektroautos und Wasserstoffwirtschaft – zumal bei steigender Weltbevölkerung.

Zum einen ergibt sich für die Erziehung als Konsequenz: Lebensmuster vermitteln, die ein „gutes Leben“ mit geringem Ressourcenverbrauch ermöglichen. Und das muss ich meinen Kidz auch vorleben: Eben nicht zur Großwildjagd nach Afrika oder für ein Kanguruhselfie nach Australien fliegen. In einem Podcast der Handelsblatt-Serie „GREEN“ (04.11.2021) brachte das Prof. Dr. Maja Göpel auf den Punkt – eine Expertin für Nachhaltigkeitspolitik und Transformationsforschung: Zunächst schüttelte sie verwundert der Kopf über das sogenannte Hobby „Shopping“, das in Lebensläufen inzwischen ganz selbstverständlich auftaucht („Das hätten wir früher nie hingeschrieben“); schließlich setzte Göpel dem entgegen, dass sich andere Freizeitmuster herausbilden würden bei adäquater Bepreisung des Ressourcenverbrauchs: „Vielleicht kommt dann sowas wie Kino, Tanzen, Theater, Musik, mit Freunden Quatschen, …“ Mein persönlicher Vorsatz: Unseren Kindern die Freude an Lesen und Klavier (bzw. allgemeiner: Musizieren) mitzugeben.

Zum anderen bedeutet „Vorbereitung auf das Unvermeidbare“ für mich auch: Es braucht ein echtes Mindset für die Sharing Community (oder auch: eine ernst gemeinte Sharing Economy). Wer Kinder hat (wir habe Zwillinge), der weiß, dass das ganz bestimmt kein Selbstläufer ist. Aber wir wollen unseren Kinder das als Kompetenz mitgeben (ich sehe das als Kompetenz).

Sharing setzt dabei Vertrauensbildung voraus, Geduld, zeitaufwändige Abstimmung und mehr. Für die Nachkriegsgeneration war Sharing keine hippe Mode, sondern Überlebensstrategie. In meiner Generation muss man das (so zumindest beobachte ich das) eher wieder mühsam erlernen. Das fängt bei der gemeinsamen Nutzung des Rasenmähers an und geht bis hin zu gemeinschaftlichen Wohnkonzepten (als Gegenmodell zum freistehenden Eigenheim). Ich finde folgende Zahlen für die Diskussion zu Sharing ganz interessant: In Deutschland gibt’s ca. 16.000 öffentliche Frei- und Hallenbäder. Dem stehen ca. 560.000 (eingelassene) Pools auf Privatgrundstücken gegenüber, zuzüglich etwa 1,2 Millionen Aufstellpools. Nicht zu vergessen: Ca. 150.000 private Hallenbäder. Das hat einerseits eine politische Dimension, wo es um die Versorgung mit öffentlichen Gütern geht; andererseits ist das natürlich auch eine Frage des Mindsets.

Eben dieses Mindset hat etwas mit erlernten Praktiken, Erwartungen, Erfahrungen, Selbstdisziplin, Empathie, Konfliktfähigkeit und derlei mehr zu tun. Jeder, der schon mal in einer WG gelebt hat, kann davon ein Lied singen: Manche einer bzw. manch eine sind eine echte Bereicherung, andere wiederum fallen durch eklatanten Mangel an Gemeinschaftssinn auf (und fliegen schnell wieder raus). Und machen wir uns nichts vor: Unser westliches, individualistisches (Wohlstands-)Lebensmodell schafft häufig eine denkbar schlechte Grundlage für die Sharing Community. Als ich vor drei Jahren an einem verlängerten Wochenende tiefen Einblick in das Ökodorf Siebenlinden nehmen durfte (sehr empfehlenswert!), ist deutlich geworden, dass auch Menschen mit tiefer ökologischer Überzeugung im Miteinander mit Gleichgesinnten an Grenzen stoßen. Gerade Wohnprojekte (nicht nur in Siebenlinden) sind für eine Gemeinschaft eine Herausforderung. Gleichzeitig gilt natürlich: Die Zukunft bringt angesichts des Klimanotstandes und seiner Folgen zwangsläufig eine ganze Reihe von Herausforderungen mit sich; das werden wir unseren Kindern nicht (mehr) ersparen können. Mit einem Mindset für das Sharing dürfte die Bewältigung dieser Herausforderungen aber einfacher werden.

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Author

Der Autor ist Manager in der Softwareindustrie mit internationaler Expertise: Prokurist bei einem der großen Beratungshäuser - Verantwortung für den Aufbau eines IT Entwicklungszentrums am Offshore-Standort Bangalore - Director M&A bei einem Softwarehaus in Berlin.