Am Mittwoch, den 9. Juni, machten zwei brasilianische Großbanken ihre Mainframe-Strategie öffentlich: „Bradesco and Caixa place AI at the center of the mainframe, treating the legacy system as a data platform rather than replacing it, as part of continuous modernization.”

Kurz gesagt: Der Mainframe bleibt als sichere und performante Plattform das Herzstück der IT-Strategie – und wird direkt mit der Zukunftstechnologie KI verknüpft.

Das Timing dieser Meldung hätte kaum besser sein können. Denn am Folgetag stellte Alexey da Hora (Gründer von 4bears technologies, dem brasilianischen Solution Partner der Beta Systems Software AG) in einem Vortrag genau das vor: einen Modernisierungsansatz für diese vermeintliche „Legacy“-Technologie, die nach wie vor das Fundament der Finanzwelt und anderer Schlüsselindustrien bildet. Es geht darum, die bewährten Stärken des Mainframes zu erhalten und ihn gleichzeitig für Innovationen und neue Technologien zu öffnen.

Das folgende Slide stellt diesen Ansatz kompakt dar:

JABOL: 97 % Automatisierung bei der COBOL-Migration

4bears technologies versteht sich als One-Stop-Shop für Modernisierung und hat bereits über 100 Projekte erfolgreich umgesetzt. Im Fokus des vorgestellten Projekts für eine Großbank in Peru stand das Ziel, die Funktionalität von COBOL-Applikationen über APIs breiter zugänglich zu machen.

Dafür wurde der COBOL-Code auf Java migriert – und zwar so, dass Dokumentation und COBOL-Struktur exakt übernommen wurden. Der große Vorteil: Die bisherigen Know-how-Träger können diese Applikationen nahtlos weiter betreuen. Intern wird dieser Code auch liebevoll „JABOL“ genannt. Bei dieser Konversion wurde übrigens ein beeindruckender Automatisierungsgrad von 97 % erreicht.

Das Ergebnis dieses Modernisierungsprojekts spricht für sich:

Der historische Schritt: IBM öffnet den Mainframe für ARM

Ebenfalls auf der Bühne: Tobias Leicher, z Client Architect bei IBM. In gewohnt unterhaltsamer Weise führte er das Publikum durch die Erfolgsgeschichte des Mainframes und arbeitete präzise dessen Erfolgsfaktoren heraus (hierzu verweise ich auch auf meine früheren Blogposts).

Tobias Leicher unterstrich einen entscheidenden Faktor, der die Zukunftsfähigkeit des Mainframes langfristig sichert: In einem historischen Schritt öffnet IBM seine traditionell geschlossene Mainframe-Welt für die ARM-Architektur. Eine neue Kooperation ermöglicht es künftig, ARM-native Software für KI- und datenintensive Workloads direkt auf IBM Z Systemen auszuführen. IBM reagiert damit auf einen massiven Markttrend: Die ARM-Architektur verändert die IT-Landschaft grundlegend – stark getrieben auch durch Microsofts massive Investitionen in ARM-basierte Azure-Server und KI-PCs.

Für IBM-Kunden bedeutet diese Dual-Architektur-Strategie maximale Flexibilität:

  • Kein Entweder-oder mehr zwischen der unerreichten Zuverlässigkeit des Mainframes und dem modernen ARM-Software-Ökosystem.
  • Zukünftige KI-Modelle laufen direkt dort, wo die sensibelsten Unternehmensdaten bereits sicher gespeichert sind.
  • Eine echte Win-win-Situation für Enterprise-Kunden.

Paneldiskussion auf der BEYOND26: Der Mainframe ist lebendiger denn je

Ein drittes Highlight rund um die Zukunftsfähigkeit des Mainframes bildete die hochkarätig besetzte Paneldiskussion auf der BEYOND26. Mit dabei waren unter anderem Tobias Leicher, Alexey da Hora, Niels von der Hude (Vice President Product Strategy & Development), Eric Weyler (Mainframe Solution Architect und IBM Champion 2024–2026) sowie Vanni Martini, Head of Unit Operations bei Value Transformation Services.

Die Panelisten diskutierten zahlreiche Themenfelder, doch ein Aspekt stach besonders hervor: Während der Mainframe auf dem Höhepunkt des Cloud-Hypes vor rund zehn Jahren oft totgesagt wurde, hat sich das Blatt gewendet. Die heutige IT-Landschaft ist hybrid. Für viele Enterprise-Unternehmen bleibt der Mainframe mit seinem einmaligen Leistungsprofil ein fester, unersetzbarer Bestandteil der IT-Strategie. In dieser hybriden Welt bringen verschiedene Technologien unterschiedliche Stärken mit und adressieren spezifische Anforderungen. Hier haben Mainframe und Cloud gleichermaßen ihren festen Platz.

Das zeigt sich auch bei neuen Marktteilnehmern: Nicht nur die etablierten „Incumbent Player“ setzen auf den Mainframe. Sogar junge FinTech-Start-ups entdecken die Technologie für sich – und zwar genau dort, wo es höchste Anforderungen an Security und Performance gibt.

Author

Sebastian Zang hat eine herausragende Karriere in der IT-Branche aufgebaut und eine Vielzahl von Softwareprojekten mit einem klaren Fokus auf Automatisierung und Unternehmensentwicklung geleitet. In seiner aktuellen Rolle als Vice President Partners & Alliances bei der Beta Systems Software AG nutzt er seine umfassende Expertise, um technologische Innovationen auf globaler Ebene voranzutreiben. Als Absolvent der Universität Passau bringt Sebastian wertvolle internationale Erfahrung mit, die er in verschiedenen Märkten und Branchen gesammelt hat. Neben seiner technischen Kompetenz ist er als Vordenker in Bereichen wie Automatisierung, Künstliche Intelligenz und Unternehmensstrategie anerkannt.