Seit Jahrzehnten wird das Ende des Mainframes prophezeit. Er sei ein Relikt aus einer vergangenen IT-Ära, zu teuer, zu komplex, zu proprietär. Doch wer heute einen Blick in die Rechenzentren der weltweit führenden Unternehmen wirft, stellt fest: Der Mainframe beweist eindrucksvoll seine Zukunftsfähigkeit. Dieser Wandel ist kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenter strategischer Investitionen von IBM und einem wachsenden Ökosystem von Partnern. Der Mainframe ist bereit für das Zeitalter der künstlichen Intelligenz, gewappnet für die wachsenden Cyber-Bedrohungen und offener als je zuvor für eine neue Generation von Entwicklern.
Dieser Blogpost beleuchtet die drei zentralen Säulen dieser Transformation: die umfassende Integration von KI, die proaktive Absicherung gegen zukünftige Bedrohungen durch Quantum Computing und die strategische Öffnung der Plattform durch Open Source und DevOps. Wir werden sehen, wie diese Entwicklungen nicht nur die Technologie selbst, sondern auch die Menschen, die mit ihr arbeiten, verändern und den Mainframe zukunftsfest machen.
/1/ Der Mainframe im KI-Zeitalter: Von der Theorie zur Praxis
Die Integration von künstlicher Intelligenz ist zweifellos ein wichtiger Treiber, der die Zukunftsfähigkeit des Mainframe absichert. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Laut dem 20. jährlichen BMC Mainframe Survey nutzen bereits 65% der Unternehmen generative KI in Verbindung mit dem Mainframe, und beeindruckende 74% betrachten sie als entscheidend für ihre Strategie in den nächsten zwei Jahren. Dies zeigt, dass KI auf dem Mainframe bereits gelebte Praxis ist.
IBMs KI-gestützter Mainframe: Der z17
Das Herzstück dieser Entwicklung ist der IBM z17, ein Mainframe, der von Grund auf für das KI-Zeitalter konzipiert wurde. Mit dem integrierten Telum II-Prozessor und dem optionalen Spyre AI-Beschleuniger verfolgt IBM ein klares Prinzip: „Bring AI to the data, not data to the AI“. Anstatt sensible Daten für KI-Analysen auf andere Plattformen verschieben zu müssen, was Latenzzeiten erhöht und Sicherheitsrisiken birgt, finden die KI-Operationen direkt auf dem Mainframe statt: dort, wo die kritischen Unternehmensdaten liegen.
Konkrete KI-Anwendungsfälle auf dem Mainframe
Die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, sind vielfältig und transformativ. Der IBM z17 unterstützt bereits über 250 KI-Anwendungsfälle. Hier sind einige der wichtigsten Beispiele, die heute schon Realität sind:
Betrugserkennung in Echtzeit: Dies ist einer der eindrucksvollsten Anwendungsfälle. Während der Vorgänger z16 bereits in der Lage war, tausende von Transaktionen pro Sekunde auf Betrugsmuster zu analysieren, geht der z17 noch einen Schritt weiter. Mit der gesteigerten Rechenleistung des Telum II und des Spyre-Beschleunigers können Finanzinstitute noch komplexere KI-Modelle ausführen, um Betrug zu erkennen und zu verhindern, bevor die Transaktion abgeschlossen ist. Dies ist ein entscheidender Vorteil im Kampf gegen immer raffiniertere Betrugsmethoden, die selbst von KI-gestützten Angreifern eingesetzt werden.
Steigerung der Produktivität von Entwicklern und IT-Betrieb: Die Wartung und Modernisierung von Legacy-Anwendungen, die oft aus Millionen Zeilen Code bestehen, ist eine enorme Herausforderung. Hier kommen Tools wie watsonx Code Assistant for Z und watsonx Assistant for Z ins Spiel. Sie laufen direkt auf dem Mainframe und nutzen generative KI, um Entwicklern zu helfen, alten Code zu verstehen, zu refaktorisieren, zu modernisieren und zu optimieren. Gleichzeitig unterstützen sie den IT-Betrieb als konversationelle Assistenten bei der Systemadministration und der Automatisierung komplexer Aufgaben.
KI-gestützte Sicherheit: In einer Zeit, in der die Einhaltung von Vorschriften wie der EU Digital Operational Resilience Act (DORA) immer wichtiger wird, bietet der Mainframe neue, KI-gestützte Sicherheitsfunktionen. „Sensitive Data Tagging for IBM z/OS“ nutzt Natural Language Processing (NLP), um sensible Daten automatisch zu klassifizieren und zu schützen. „IBM Threat Detection for z/OS“ wiederum verwendet KI, um Routine-Scans durchzuführen und böswillige Anomalien zu identifizieren, die auf einen Cyberangriff hindeuten könnten.
Weitere Anwendungsfälle: Die Bandbreite der KI-Anwendungen auf dem Mainframe reicht von der Risikobewertung bei der Kreditvergabe über die Analyse medizinischer Bilder bis hin zum Management von Chatbot-Diensten.
Dom Starkey von Macro 4 fasst die Bedeutung dieser Entwicklung treffend zusammen:
„With its next-generation Telum II processor, on-chip AI accelerator and PCIe attached Spyre AI accelerator with the potential to fun AI-powered assistants and security tools, the IBM z17 really is a modern mainframe for the AI age. For enterprises that are facing growing fraud risks, IBM Z talent shortages and strict security and regulatory demands or those with their own unique AI-specific use cases, the z17 can be a transformational AI platform designed to drive business value today and well into the future.“
/2/ Die Festung stärken: Quantensichere Sicherheit im Zeitalter eskalierender Bedrohungen
Sicherheit war schon immer eine der Kernstärken des Mainframes. Doch die IT-Welt steht vor einer neuen, potenziell disruptiven Bedrohung: dem Quantum Computing. Experten gehen davon aus, dass Quantencomputer in den nächsten Jahren in der Lage sein werden, die heute gängigen asymmetrischen Verschlüsselungsalgorithmen zu brechen. Diese Bedrohung, oft als „Y2Q“ (Years to Quantum) bezeichnet, hat weitreichende Implikationen für die Sicherheit von Daten in allen Branchen.
IBMs proaktiver Ansatz: Der quantensichere Mainframe
IBM hat angesichts dieser Gefahr frühzeitig proaktiv gehandelt. Der IBM z17 ist der erste Mainframe, der mit quantensicheren Kryptografiefunktionen ausgestattet ist. Diese neuen Algorithmen sind so konzipiert, dass sie sowohl von klassischen als auch von zukünftigen Quantencomputern nicht gebrochen werden können. Damit schützt IBM die auf dem Mainframe gespeicherten Daten nicht nur vor den Bedrohungen von heute, sondern auch vor denen von morgen.
Ein Ökosystem für Quantensicherheit
Die Vorbereitung auf das Quantenzeitalter ist eine branchenweite Anstrengung. Partner wie Kyndryl bieten bereits „Quantum Safe Assessment“-Services an, um Unternehmen dabei zu helfen, ihre spezifischen Risiken zu bewerten und eine Roadmap für die Umstellung auf quantensichere Kryptografie zu entwickeln. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Strategie, die über die reine Technologie hinausgeht und auch Prozesse und Architekturen umfasst.
Die Botschaft ist klar: Während andere noch über die potenziellen Risiken des Quantum Computing diskutieren, liefert der Mainframe bereits heute konkrete Lösungen, um die „Kronjuwelen“ der Unternehmen zu schützen.
/3/ Die Tore öffnen: Der Mainframe umarmt Open Source und DevOps
Lange Zeit galt der Mainframe als geschlossene, proprietäre Welt. Doch diese Wahrnehmung hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. IBM hat die Plattform strategisch geöffnet und fördert aktiv die Nutzung von Open Source und modernen DevOps-Praktiken. Diese Öffnung ist vielleicht die bedeutendste Entwicklung, um den Mainframe für eine neue Generation von Entwicklern attraktiv zu machen.
Das Open Mainframe Project und Zowe: Eine Revolution für Entwickler
Eine zentrale Rolle spielt dabei das Open Mainframe Project, das 2025 sein 10-jähriges Bestehen feierte. Als Projekt der Linux Foundation hat es sich zum Ziel gesetzt, ein offenes und kollaboratives Ökosystem für den Mainframe zu schaffen. Das Kronjuwel des Projekts ist Zowe, ein Open-Source-Framework für z/OS, das die Art und Weise, wie Entwickler mit dem Mainframe interagieren, revolutioniert.
Zowe bietet moderne Schnittstellen und Werkzeuge, die Entwickler von anderen Plattformen kennen und schätzen:
Zowe CLI (Command-Line Interface): Ermöglicht die Steuerung des Mainframes über Skripte und die Integration in gängige CI/CD-Pipelines (Continuous Integration/Continuous Delivery).
Zowe Explorer: Eine Erweiterung für populäre Entwicklungsumgebungen wie Visual Studio Code, die einen einfachen und grafischen Zugriff auf Mainframe-Ressourcen wie Datensätze und Jobs ermöglicht.
API Mediation Layer: Ein Gateway, das Mainframe-Anwendungen und -Daten als moderne REST-APIs zur Verfügung stellt und so die Integration in verteilte Anwendungen und Hybrid-Cloud-Szenarien vereinfacht.
John Mertic, Director of Program Management bei der Linux Foundation, beschreibt die Vision von Zowe so:
„Zowe is an open source software which provides both an extensible framework, and a set of tools that allow mainframe development and operation teams to securely, reliably and scalably manage, control, script and develop on the mainframe like any other cloud platform.“
Container, Microservices und Linux auf dem Mainframe
Die Öffnung geht aber noch weiter. Mit Technologien wie Red Hat OpenShift auf IBM Z können Unternehmen heute containerisierte Anwendungen und Microservices direkt auf dem Mainframe betreiben. Dies ermöglicht eine echte Hybrid-Cloud-Strategie, bei der moderne, agile Anwendungen Seite an Seite mit den traditionellen, hochperformanten Mainframe-Workloads laufen. Darüber hinaus erfreut sich Linux auf dem Mainframe wachsender Beliebtheit. Bereits 96 der Top-100-Mainframe-Unternehmen setzen Linux auf IBM Z ein, um die Flexibilität von Open Source mit der unübertroffenen Zuverlässigkeit und Sicherheit der Plattform zu kombinieren.
/4/ Die neue Generation der Mainframer: Ein Kulturwandel und eine glänzende Zukunft
Die technologische Modernisierung des Mainframes geht Hand in Hand mit einem tiefgreifenden demografischen Wandel. Die Zeiten, in denen der Mainframe als Karrieresackgasse galt, sind vorbei. Der BMC Mainframe Survey 2025 zeigt, dass der Anteil von Millennials und Gen Z in der Mainframe-Belegschaft auf 66% gestiegen ist – eine Verdopplung seit 2018.
Diese neue Generation von Mainframern bringt nicht nur frische Perspektiven und digitale Fähigkeiten mit, sondern treibt auch die Modernisierungsagenda aktiv voran. Sie haben eine deutlich positivere Einstellung zur Zukunft der Plattform und sehen die enormen Karrierechancen, die sich in diesem Bereich bieten. Die Attraktivität von Mainframe-Karrieren für junge Talente nimmt wieder zu, begünstigt durch die technologische Weiterentwicklung und die hervorragenden Zukunftsaussichten.
Initiativen wie das Eli Madison Memorial Mainframe Apprenticeship (EMMA) spielen eine entscheidende Rolle bei der Ausbildung der nächsten Generation. Das Programm bietet eine praxisnahe Ausbildung auf echten Mainframe-Systemen und einen direkten Einstieg in eine hochbezahlte und zukunftssichere Branche.
Dr. Cameron Seay, Gründer von EMMA, bringt es auf den Punkt:
„EMMA delivers a scalable, high-impact solution through comprehensive, hands-on training that transforms raw talent into career-ready mainframe professionals.“
Parallel zu diesen Initiativen setzt die European Mainframe Academy (EMA), ein Unternehmen der Beta Systems Gruppe, maßgebliche Akzente in der Fachkräfteentwicklung. Während die EMA in Deutschland bereits heute der klare Marktführer ist und diese Position kontinuierlich ausbaut, hat sie ihr Angebot längst über den deutschsprachigen Raum hinaus erweitert. Die Academy bietet ihre spezialisierten Ausbildungsprogramme mittlerweile europaweit an und treibt die weitere Internationalisierung aktuell mit Hochdruck voran. Damit stellt die EMA sicher, dass Unternehmen in ganz Europa auf hochqualifizierte Experten zurückgreifen können, um die technologische Exzellenz ihrer Mainframe-Plattformen langfristig zu sichern.
Weitere Informationen zu den internationalen Ausbildungsangeboten und Zertifizierungen finden Sie auf der Webseite der Academy: https://www.mainframe-academy.de/
Fazit: Die Zukunft ist hybrid, intelligent und läuft auf dem Mainframe
Die Renaissance des Mainframes ist in vollem Gange. IBMs strategische Investitionen in KI, Sicherheit und Offenheit haben die Plattform transformiert und für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet. Der Mainframe ist nicht länger eine isolierte Insel, sondern ein integraler Bestandteil der modernen Hybrid-Cloud-Welt.