Vor gut eineinhalb Jahren berichtete ich an dieser Stelle von meinen Impressionen einer Geschäftsreise nach Tokio, die mich nicht nur beruflich, sondern auch kulturell tief beeindruckt hat. Im April dieses Jahres hieß es für mich erneut: Konnichiwa, Japan! Der Anlass war derselbe, die Erlebnisse jedoch um eine buchstäblich erschütternde Dimension reicher.
Wieder durfte ich gemeinsam mit unserem langjährigen Solution Partner Softplex eine Tech Conference für die Beta Systems Software AG ausrichten. Ergänzt wurde das Programm durch zahlreiche Besuche bei Kunden und Prospects. Die Zusammenarbeit mit unseren japanischen Partnern war einmal mehr geprägt von jener bemerkenswerten Präzision, Höflichkeit und Professionalität, die ich schon bei meinem ersten Besuch so bewundert habe. Doch dieses Mal sollte mir Japan nicht nur seine geschäftliche und kulturelle, sondern auch seine ungezähmte, geologische Seite zeigen.
Ein unerwarteter Ruck im Hotelzimmer
Wer nach Japan reist, weiß theoretisch, dass das Land in einer seismisch hochaktiven Zone liegt. Doch Theorie und Praxis sind bekanntlich zwei verschiedene Paar Schuhe. Dass die sprichwörtliche stoische Gelassenheit der Japaner im Umgang mit Erdbeben eine lebenswichtige Notwendigkeit ist, wurde mir an einem Montagnachmittag, dem 20. April, schlagartig bewusst.
Ich war gerade von einem Business-Termin in mein Hotelzimmer im Zentrum Tokios zurückgekehrt, als plötzlich eine unheimliche Bewegung durch den Raum ging. Das gesamte Gebäude begann unter der tektonischen Last hörbar zu ächzen. Ein Blick aus dem Fenster bestätigte mir, dass diese Situation zumindest für uns Hotelgäste alles andere als alltäglich war: Überall sah man Menschen an den Scheiben stehen, neugierig und besorgt zugleich, in der Hoffnung, draußen eine Erklärung für das Wanken zu finden.
Kurz darauf bestätigten die Nachrichten, was wir gerade am eigenen Leib gespürt hatten: Ein schweres Erdbeben der Magnitude 7,5 hatte den Nordosten Japans getroffen. Die Erschütterungen waren so gewaltig, dass sie selbst in dem rund 550 Kilometer entfernten Tokio minutenlang deutlich zu spüren waren. In diesem Moment wurde mir klar, dass die Naturgewalten hier nicht nur eine abstrakte Gefahr aus den Nachrichten sind, sondern eine ständige, reale Präsenz im Alltag der Menschen.
Japan: im Epizentrum des sogenannten „Pazifischen Feuerrings“
Dieses Erlebnis ließ mich nicht mehr los. Wer mich kennt, weiß, dass ich den Dingen gerne auf den Grund gehe. So weckte das Erdbeben mein Interesse an der geologischen Situation Japans. Warum bebt hier so häufig die Erde? Wie gehen die Menschen mit dieser ständigen Bedrohung um?
Meine Recherchen führten mich tief in die komplexe Welt der Plattentektonik. Ich lernte, dass Japan auf einem wahren geologischen Pulverfass sitzt: Mitten im Epizentrum des sogenannten „Pazifischen Feuerrings“. Gleich vier gewaltige tektonische Platten (die Pazifische, die Nordamerikanische, die Eurasische und die Philippinische Platte) treffen hier aufeinander und verkeilen sich in einem ständigen, dynamischen Prozess. Diese enorme tektonische Reibung ist nicht nur die Ursache für die alltäglichen Erdbeben, sondern auch für den ausgeprägten Vulkanismus des Landes.
Eine Begegnung mit dem Mount Fuji
Wenn man sich mit der Geologie Japans beschäftigt, kommt man an ihm nicht vorbei: dem Mount Fuji. Dieser majestätische Berg, mit 3.776 Metern der höchste Japans, ist nicht nur ein heiliger Ort und ein beliebtes Fotomotiv, sondern vor allem ein Schichtvulkan.
Ich hatte das große Glück, an einem Sonntag direkt nach meiner Anreise die Region um den Mount Fuji besuchen zu können. Wenn man vor diesem perfekten, symmetrischen Kegel steht, der sich so friedlich aus der Ebene erhebt, ist es kaum vorstellbar, dass tief in seinem Inneren eine Magmakammer schlummert. Der Fuji gilt als „schlafender Riese“. Sein letzter großer Ausbruch im Jahr 1707, die sogenannte Hōei-Eruption, war so gewaltig, dass er Asche bis ins 130 Kilometer entfernte Tokio regnen ließ. Heute wird der Vulkan rund um die Uhr seismologisch überwacht, und die Behörden nehmen die Gefahr eines erneuten Erwachens sehr ernst.
Podcast zur Geologie Japans
Die Kombination aus der faszinierenden japanischen Kultur, dem hautnahen Erlebnis des Erdbebens und den beeindruckenden Erkenntnissen über die Geologie des Landes hat mich dazu inspiriert, dieses Thema in einem breiteren Rahmen zu teilen.
Das Ganze gibt’s ganz bequem als Podcast. In dieser Episode mit dem Titel „Auf dem Feuerring: Die Geologie Japans“ nehme ich Sie mit auf eine Reise in den Untergrund dieses faszinierenden Landes. Wir sprechen über die komplexen tektonischen Plattenverschiebungen, die wahren Hintergründe der Tsunami-Katastrophe von 2011 und natürlich über den schlafenden Riesen, den Mount Fuji.
Wenn Sie also mehr darüber erfahren möchten, warum Japan nicht nur technologisch und wirtschaftlich, sondern auch geologisch ein absolutes Ausnahme-Land ist, lade ich Sie herzlich ein, reinzuhören.
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Diese zweite Reise nach Japan hat mir einmal mehr gezeigt, wie facettenreich dieses Land ist. Es ist diese einzigartige Mischung aus hochmoderner Business-Welt, tief verwurzelter Tradition und der ständigen Präsenz gewaltiger Naturkräfte, die Japan so unvergleichlich macht. Ich bin gespannt, welche Eindrücke meine nächste Reise dorthin bereithalten wird.