Digitale Transformation bedeutet ja nicht nur, die Prozesse eines bestehenden Produkt-/Serviceangebots zu digitalisieren. Nein, die eigentliche Herausforderung besteht darin, genuin Digitale Produkte zu entwickeln und damit die Chancen nutzen, die in einem sich wandelnden Markt entstehen.

Woher die Ideen für Digitale Produkte nehmen, zumal für Produkte, die im Markt auch funktionieren und wirtschaftlich profitabel sein sollen. Es geht darum Ideen zu entwickeln, Ideen zur Reife zu bringen, zur Marktreife und sich hierbei systematisch am Zielkunden zu orientieren, damit ein Produkt nicht floppt. Wer vor dieser Herausforderung steht, für den gehört Design Thinking in den Methodenbaukasten. Denn Design Thinking liefert eben für diesen Ideenfindungs- und Ideenreifungsprozess hilfreiche Instrumente. In Unternehmen wie Google oder Spotify wird es eingesetzt, aber auch bei Daimler und der Deutschen Bahn.

Das Hasso-Plattner Institut liefert folgende Definition: „Design Thinking ist eine systematische Herangehensweise an komplexe Problemstellungen aus allen Lebensbereichen.“ Der Prozess lässt sich grob in 6 Phasen gliedern: (1) Tiefes Verständnis einer Problemstellung, (2) Untersuchen des Problems und der Rahmenbedingungen, (3) Neufassung und Verfeinerung der Problemanalyse, die Synthese, (4) Ideenfindung für einen Lösungsansatz, (5) Entwicklung von Prototypen und (6) Testen. Diese 6 Phasen werden in mehreren iterativen Schleifen wiederholt, bis (hoffentlich) eine praktikable Lösung entstanden ist.

Das so beschriebene Vorgehen klingt noch vergleichsweise banal, zumal für alle, die mit Agilen Projektmanagement-Methoden vertraut sind. Design Thinking betont (und forciert) die frühzeitige Entwicklung von Prototypen und das Testen, es betont den iterativen Prozess. Außerdem bietet Design Thinking jeden dieser Schritte ein Instrumentenset, um systematisch und zeiteffizient arbeiten zu können. Dazu zählen Kriterien zur Gestaltung von kreativ anregenden Räumlichkeiten, die Bereitstellung von Materialien für den Prototypenbau, Kreativtechniken und Techniken wie „Persona“ (Detaillierte Charakterisierung des Verhaltens einer repräsentativen Zielgruppenperson) oder „Immersion“ (Persönliches Erleben einer relevanten Situation in der Kundenerlebniskette). Weitere Techniken sind „Teufels Küche“, „Empathie-Map“, „Dot-Voting“, „Dark Horse“ und derlei mehr.

Ich stelle nun zwei Bücher vor, die sich beide als Einführung in Design Thinking verstehen. Nämlich zum einen „Hands on. Design Thinking“ (Franz Vahlen Verlag) und zum anderen „Design Thinking“ von Michael Lewrick. Das Buch „Hands On“ bietet klar den einfacheren Einstieg. Es vermittelt durch zahlreiche Illustrationen und Fotos eine sehr klare Vorstellung davon, wie ein solcher Prozess abläuft. Die Beschreibungen sind einfach und knapp gehalten, die Bilder und Fotos liefern einen guten Input dazu, wie ein Schritt zu gestalten ist. Die praktische Orientierung ist auch daran erkennbar, dass bereits bei einem „WarmUp“ für die richtige Atmosphäre, für das Teambuilding eingesetzt wird; das Buch ist bunt, lädt ein zum Mitmachen, es vermittelt die Botschaft, dass Design Thinking wirklich Spaß machen kann. Es nimmt die Angst, Klebezettel an ein Whiteboard zu kleben oder mit Papier einen Prototypen für eine APP auf dem Smartphone zu basteln. Wer ein Team auf ein Design Thinking-Projekt einstimmen möchte, der verteilt das Buch zwei Wochen vorher und gibt jedem pro Tag 20 Minuten, ein bisschen darin herum zu blättern. Die Moderationskarten eigenen sich gut, damit die Wegstrecke durch den Design Thinking Prozess zu strukturieren, diese Karten geben allen Orientierung.

Das zweite Buch, Design Thinking von Michael Lewrick aus der -Reihe (fast Reclam-Format) ist ebenfalls von einem Experten geschrieben, keine Frage. Das Buch ist einfach geschrieben, auch hier finden sich Illustrationen. Das Buch ist – im Vergleich zum erstgenannten Buch – auf kompakte Wissensvermittlung ausgerichtet, wobei zu dem oben beschriebenen Iterationszyklus von (1) Verstehen bis (6) Testen eines Prototypen (hier definiert als „Mikrozylus“) noch die Betrachtung des „Makrozyklus“ hinzu kommt; der Autor setzt außerdem das Design-Thinking noch in Relation zum System Thinking und schlägt den Bogen zu Big Data Analytics. Kurz: hier wird ein solider theoretischer Unterbau geliefert.

Meine Empfehlung ist eindeutig: Wer mit Design Thinking starten möchte, dabei sich selbst und KollegInnen inspirieren und motivieren möchte, für den ist Hands on. Design Thinking genau das Richtige. Die hierin vorgestellten Techniken sind vollkommen ausreichend, um den Prozess im eigenen Unternehmen in Gang zu setzen. Wer sich nach ersten Erfahrungen vertieft mit Design Thinking auseinander setzen und verfeinern möchte, der ist bei dem Autor Michael Lewrick gut aufgehoben.

Viel Spaß beim Lesen und Umsetzen!

“Design Thinking. Radikale Innovationen in einer digitalisierten Welt“ von Dr. Michael Lewrick (C.H. Beck Verlag, 140 Seiten im Kleinformat, 10 Euro).

“Hands on Design Thinking (mit Moderationskarten)“ von Conrad Glitza, Rosa-Sophia Hamburger und Michael Metzger (Verlag Franz Vahlen, 130 Seiten + 40 Moderationskarten, 23 Euro).

Sebastian Zang
Author

Der Autor ist Manager in der Softwareindustrie mit internationaler Expertise: Prokurist bei einem der großen Beratungshäuser - Verantwortung für den Aufbau eines IT Entwicklungszentrums am Offshore-Standort Bangalore - Director M&A bei einem Softwarehaus in Berlin.