Wer das heutige Arbeitsumfeld beschreibt, kommt kaum aus ohne Stichwort wie „VUCA“, „Globalisierung“, „Steigender Wettbewerbsdruck“, „Veränderungsdruck“ und derlei mehr. Führungskräfte möchten das Unternehmen und Mitarbeiter auf höhere Produktivität und höhere Flexibilität trimmen, doch was ist dafür die geeignete Methode? Eine Umfrage unter erfolgreichen Führungskräften dürfte zu unterschiedlichen Antworten führen, aber die Herangehensweise einer kontinuierlichen Verbesserung zählt sicherlich dazu. Nicht zuletzt der Erfolg des Toyota Production System (TPS) machte diesen Ansatz populär und führte zu einer Verbreitung der zugrunde liegenden Prinzipien, unter anderem das Pull-Prinzip (Hol-Prinzip) im Produktionsprozess, das zu minimalem Lagerbestand führt: Hierfür wurden im Übrigen Signal(„kan“)-Karten(„ban“) eingesetzt, die einer nachgelagerten Produktionsstufe signalisierten, dass eine Aufgabe fertiggestellt wurde. Daher also der Name. Ausgehend von diesen Grundgedanken entwickelte sich schließlich Kanban, das vielfach in der Softwareentwicklung eingesetzt wird.

Kanban nimmt konstatiert, dass es zur Optimierung des Systemoutput nicht genügt, den einzelnen Mitarbeiter zu schulen und weiterzubilden. Vielmehr gilt es, Organisation und Prozesse zu optimieren. Auf den Punkt gebracht hat es der Physiker und Statistiker Edwards Deming: Vielmehr: „94 Prozent der Leistung in einem Unternehmen hängen von den Bedingungen des Systems ab und nur 6 Prozent von den Mitarbeitern“. Konsequenterweise stellt Kanban auch den Menschen, die Arbeitskultur und das Team in den Mittelpunkt, denn Veränderung speist sich aus den Ideen der Mitarbeiter (und schlussendlich aus deren Bereitschaft, diese auch in der Praxis zu leben). Ein weiteres Grundprinzip besteht darin, dass Kanban den Status Quo als Ausgangspunkt nimmt und von dort in (kleinen) Schritten evolutionär Veränderung/Verbesserung gestaltet.

Das Buch Kanban in der IT der Autoren Klaus Leopold und Siegfried Kaltenecker (bereits in der 3. Auflage) bietet für Einsteiger ein sehr gutes Überblickswissen; das Buch lässt sich einfach lesen (ich habe es auf dem Nachhauseweg in der S-Bahn gelesen), illustriert – wo erforderlich – mit einfachen Skizzen. Die Visualisierung vom Arbeitsfluss im Team (Anzahl Aufgaben, Blockierungen, Engpässe, etc.) ist ja eine Kernpraktik von Kanban, eben dieses Prinzip der Visualisierung ist auch in dem Buch umgesetzt.

Kanban-Board“ width=Abbildung: Kanban Board

Im Ersten Teil des Buches (100 von 310 Seiten) beschreiben die Autoren die Grundlagen von Kanban (für eine Erläuterung vergleiche u.a. das Glossar): Das Kanban-Board, auf dem die Aufgaben (Tickets) abgebildet werden. Das sogenannte WiP-Limit, mit dem je Prozesschritt die Anzahl der bearbeiteten Aufgaben limitiert wird, um Durchlaufzeit und Qualität zu optimieren. Das Queue Replenishment Meeting, in dem Reihenfolge (und damit Priorität) von Aufgaben festgelegt werden, die einem Kanban-Team übergeben werden. Weitere Stichworte sind Swim Lane, Serviceklassen, Retrospektive, das Daily Standup Meeting und natürlich Metriken zur Fortschrittsmessung wie Flusseffizienz, Frequenzanalyse, Durchlaufzeit, Failure Load oder das Cumulative Flow Diagram.

Im zweiten Teil des Buches (70 von 310 Seiten) werden Grundlagen des Change Managements erläutert, denn bei Kanban geht es ja um kontinuierliche Verbesserung in Teams bzw. Unternehmen, kurz: Es geht um Change Management. Im dritten Teil des Buches (140 von 310 Seiten) werden konkrete Tipps zur Umsetzung der Kanban-Kernpraktiken bzw. zur Einführung eines Kanban-Systems ausgeführt. Meine persönliche Lernkurve im zweiten und dritten Teil des Buches war eher gering, auch haben sich hier einige Themen wiederholt – aber insgesamt finde ich das Buch unbedingt empfehlenswert.

Viel Spaß beim Lesen!

“Kanban in der IT. Eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserungen schaffen“ von Klaus Leopold und Siegfried Kaltenecker (Hanser Verlag, 310 Seiten, 36 Euro).

Sebastian Zang
Author

Der Autor ist Manager in der Softwareindustrie mit internationaler Expertise: Prokurist bei einem der großen Beratungshäuser - Verantwortung für den Aufbau eines IT Entwicklungszentrums am Offshore-Standort Bangalore - Director M&A bei einem Softwarehaus in Berlin.